Das Wohnklima reguliert sich bedarfsgerecht

30.10.2009

Die dezentrale Kleinpumpe «Geniax» ist im Gegensatz zur zentralen Umwälzpumpe direkt am Heizkörper angebracht. BILD WILO SE

Intelligent und energieeffizient Wohnen? Die Haustechnik der Zukunft ist vernetzt und weiss sich automatisch richtig einzustellen. Auch der Betrieb des Heizkörpers lässt sich noch optimieren. Und für 2010 steht bereits der Digitalstrom in den Startlöchern.

Intelligentes Wohnen, «E-Home» oder «Smart-Living» sind nur einige Ausdrücke für das, was sich bei Neubauten zunehmend durchsetzt: Haushaltgeräte, Unterhaltungselektronik, Haustechnik und Alarmanlagen werden miteinander vernetzt. Dank Sensoren und automatischer Steuerung lassen sich zum Beispiel die Heizungs- und die Lüftungsanlage optimal mit dem Sonnenschutz abstimmen. Die Feinsteuerung reagiert auf jede Änderung der äusseren Witterungsbedingungen. So bleibt das Wohnklima ausgeglichen, was die Behaglichkeit erhöht und den Energieverbrauch spürbar reduziert. Die Erhebungen in vollständig automatisierten Wohnhäusern zeigen, dass beispielsweise ein Fünftel der bisherigen Heizenergie eingespart werden kann. Eine Marktumfrage bei Schweizer Gebäudeautomatisationsplanern ergab zudem: Die Energie- und Betriebseffizienz werden als hauptsächliche Vorteile der intelligent vernetzten Technik beurteilt.

Bedarfsabhängige Heizungs­regelung

Energiesparendes Heizen erfordert vor allem eine bedarfsabhängige Steuerung. Sensoren oder Temperaturfühler erlauben die automatische Einzelraumregulierung jedes Heizkörpers: In unbenutzten Räumen, bei längeren Abwesenheiten oder bei kurz offen stehenden Fenstern kann so die Raumlufttemperatur selbstständig abgesenkt werden. Die Sig­nale der Präsenzmelder, Lichtsensoren oder Temperaturfühler können via Funk oder Kabel übertragen werden. Und von aussen kann via einer SMS die Heizung im Ferienhaus, bedarfsgerecht einige Stunden vor Ankunft angedreht werden. Der Betrieb der Heizungsanlage wird dadurch zeitlich auf die Nutzerbedürfnisse angepasst.

 

Grossen Einfluss auf den Energieverbrauch hat aber auch die Wahl der Komponenten: Der Einsatz von so genannten PI-Reglern gegenüber den konventionellen P-Reglern bei Thermostatventilen kann rund 10% Heizenergie einsparen helfen. Als Alternative zu den oft ungenauen Thermostatventilen bieten sich zudem Stellantriebe an den Heizkörpern an, welche über Funk von einem optimal im Raum positionierten Temperaturfühler gesteuert werden.

Energiesparsame Heizkörperpumpen

Der Markt scheint reif für innovative Haustechnik, und Lieferanten warten mit neuen Automatisationslösungen auf, die zur Verbesserung der Energieeffizienz beitragen: Der deutsche Pumpenhersteller Wilo hat im nördlichen Nachbarland ein dezentrales Steuerungssystem auf den Markt gebracht, das den Heizwasserkreislauf mit weniger Energie an­treiben soll. Gemäss Oliver Amann von der EMB Pumpen AG, die Wilo-Vertretung in der Schweiz, sollen die energieeffizienten Geniax-Kleinpumpen ab übernächstem Jahr auch hierzulande erhältlich sein. Das Neue daran: Sie sind direkt am Heizkörper angebracht und regeln den Durchfluss des warmen Wassers dezentral. Die kleinen Heizkörperpumpen werden automatisiert gesteuert und verbrauchen deutlich weniger Strom als eine zentrale Umwälzpumpe. So lässt sich die bisherige Angebotsheizung, deren Hydraulik über die Thermostatventile gesteuert wird, zu einer raumbezogenen Bedarfsheizung umwandeln. Der Stromspareffekt soll, haben Praxistests gezeigt, bei 10% liegen.

 

Der Austausch einer Umwälzpumpe ist jedoch auch ohne Systemwechsel sehr oft ratsam: Elektromotoren mit schlechtem Wirkungsgrad sowie überdimensionierte Anlagen erhöhen den Stromverbrauch einer Heizungsanlage unnötig. Nur scheint das kaum bekannt. Die Förderaktion für energieeffiziente Umwälzpumpen, welche die Energiefachstelle des Kantons St. Gallen in diesem Sommer lanciert hatte, hat offensichtlich wenig ausgelöst. Gemäss Oliver Amann hat man vergeblich Interessenten dafür gesucht.

Vernetzte Systeme

Zurück zur automatisierten und vernetzten Steuerung der verschiedenen haustechnischen Anlagen: Durch eine intelligente Steuerung des Sonnenschutzes lässt sich ebenfalls viel Energie einsparen. Bleibt der elektrisch betriebene Sonnenschutz im Winter oben, fliesst möglichst viel Sonnenenergie in den Raum, womit der Heizbedarf verringert wird. Der Betrieb von Heizung und Lüftung ist aber auf jeden Fall darauf abzustimmen.

 

Bei Neubauten können die entsprechenden Systeme problemlos ein­gebaut werden. In bestehenden Häusern lohnt sich das Nachrüsten oft nur bedingt. Von Vorteil sind hier zum einen über Funk gesteuerte Sys­teme. Zum andern lassen sich die Stromleitungen ab kommendem Jahr zur Powerline aufrüsten. Die von der ETH Zürich neu entwickelte Digitalstrom-Technik kommt ab 2010 auf den Markt. Mit dem Einbau eines Chips werden Geräte und das hauseigene Stromnetz kommunikativ: Über einen gemeinsamen Schalter können danach sämtliche Anlagen, von der Beleuchtung, über die automatische Fensteröffnung bis zur Heizungsanlage, gesteuert werden. Zudem werden mit dem Digitalstrom auch Angaben über den jeweiligen Stromverbrauch von Pumpen oder anderen haustechnischen Komponenten übermittelt.

Weitere Informationen unter:

www.intelligenteswohnen.com

www.digitalstrom.org

www.spline.ch

www.wilo.ch

Von: Paul Knüsel, Oerlikon Journalisten AG, Zürich

Smart Home
Vollständig automatisierte Gebäude, die z.B. Licht, Heizung oder Lüftung in jedem Raum bedarfsgerecht regeln können und die über eine benutzerfreundliche Zentrale gesteuert werden, sind energie- und betriebseffizient. BILD SPLINE GMBH, INTELLIGENT WOHNEN