eHome: das intelligente Haus
Experten raten, Neubauten mit zusätzlichen Kabelschächten für eine spätere Vernetzung vorzubereiten. Diese kann dann mit modernsten Glasfaserkabeln erfolgen. Bild Vodafone
Ein Blick auf den Bildschirm im Garderobenbereich genügt: Sämtliche Geräte funktionieren einwandfrei, die automatische Lüftung hat ihren Betrieb wieder aufgenommen und im Hintergrund läuft der Lieblingssong zur Begrüssung. Nach zweiwöchiger Ferienabwesenheit seiner Bewohner ist das Haus aus dem Schlafmodus erwacht und hat sich auf deren Empfang vorbereitet. Die Eigentümer haben es eine Stunde vorher bei ihrer Ankunft am Flughafen über ihre Rückkehr informiert – per SMS.
Intelligentes Wohnen – auch eHome genannt – ist längst keine Science-Fiction mehr: Immer mehr Häuser in der Schweiz werden vernetzt. Das heisst, ein zentraler Rechner überwacht sowohl die Haustechnik als auch die Unterhaltungselektronik und die Sicherheitsinstallationen wie Alarmanlagen oder Kameras.
«Der Durchbruch der neuen Technologien findet jetzt statt», bestätigt Alexander Klapproth. Er ist Professor an der Hochschule Luzern und eröffnete 2008 zusammen mit anderen Forschenden das «iHome-Lab», ein Forschungszentrum für intelligentes Wohnen. Klapproth ist überzeugt: Was lange Zeit Träumerei war, ist in einigen Jahren bereits Standard. «Unser Verständnis vom Wohnen wird sich radikal ändern, denn Häuser und Wohnungen werden wahrnehmungsfähig, interaktiv und selbständig.»
Neubauten vorbereiten lohnt sich
Intelligentes Wohnen ist heute noch kein Muss – und letztlich auch Geschmacksache. Fachleute raten aber, Neubauten auf eine spätere Vernetzung vorzubereiten. Ein eHome-fähiges Haus hat eine bessere Werterhaltung, ist Christian Morgenthaler, Geschäftsführer der Highendstudio AG in Roggwil überzeugt. Er rechnet vor: «Bei einem Neubau macht die zukunftsfähige Vernetzung aller Zimmer etwa zehn Prozent der Kosten für die Elektroinstallationen aus.» Vernetzt man die Zimmer in einem Altbau nachträglich, kostet das ein Vielfaches davon. «Zudem entstehen Dreck und Lärm, wenn die dazu notwendigen Schächte nachträglich gebohrt und gespitzt werden müssen.»
Es werden immer mehr Haushalt- und Multimediageräte netztauglich. Die Datenübertragung bereitet aber noch Probleme. So sind für die Signalübertragung unterschiedliche Technologien und Standards auf dem Markt, und nicht jedes Gerät ist mit jedem Standard kompatibel. Viele Anbieter setzen auf den momentan am meisten verbreiteten KNX-Standard, der zur Datenübertragung ein eigenes Netzwerk benötigt.
Nicht nur für Technikfreaks
Der Rat von Christian Morgenthaler: Die Räume eines Gebäudes sind von einem zentralen Punkt aus zu verbinden. «Es entsteht eine sternförmige Struktur mit Server im Zentrum.» Alexander Klapproth von der Hochschule Luzern glaubt allerdings, dass sich längerfristig eher kostengünstigere Funk- und Powerline-Netzwerke durchsetzen werden: Funkverbindungen benötigen keine Kabel und Powerline nutzt die herkömmlichen 230-Volt-Stromleitungen zur Datenübertragung.
«In Zukunft werden sich einfache Lösungen durchsetzen», ist Klapproth überzeugt. Geräte und Netzwerkkomponenten müssten plug-and-play-fähig sein, damit aufwendiges Programmieren wegfalle. «Intelligentes Wohnen ist keine Spielerei für Technikfreaks, es macht das Leben leichter.» Momentan übertragen Funk- und Powerline-Netzwerke grosse Datenmengen allerdings noch nicht in der gleichen Qualität wie Kabelverbindungen. Es ist deshalb für Hauseigentümer nicht einfach abzuschätzen, auf welche Technologie sie setzen sollen. Sich frühzeitig Gedanken darüber machen, lohnt sich allerdings.
Was ist ein eHome?
Automatisch maximalen Komfort
«Intelligentes Wohnen», «eHome» oder «Smart-Living» sind nur einige Ausdrücke dafür, was sich bei Neubauten zunehmend durchsetzt: Haushaltgeräte, Unterhaltungselektronik, Haustechnik und Sicherheitsinstallationen wie Alarmanlagen werden vernetzt und über einen gemeinsamen Server bedient. Der Zustand sämtlicher elektrischer Geräte im Haus ist so jederzeit am Bildschirm überprüfbar – auch von auswärts via Internet und Mobiltelefon. Was aber noch viel wichtiger ist: Die vernetzten Geräte lassen sich per Software steuern und automatisieren. Sonnenstoren richten sich nach dem Sonnenstand, die Lampen leuchten und dimmen selbständig nach Helligkeits-Bedarf und eine kontrollierte Lüftung sorgt stets für genug Frischluft. Die Häuser und Wohnungen sorgen selbständig für maximalen Komfort.


