Legionellen wirksam vorbeugen
Wassertropfen als Gesundheitsrisiko: Die Ansteckung mit Legionellen erfolgt meist über das Duschen. Um eine Vermehrung der Bakterien zu vermeiden, sollte das Warmwasser auf 60°C erwärmt werden.
Am 27. Juli 1976 fanden sich über 4000 Veteranen im Bellevue Stratford Hotel in Philadelphia ein. Das Treffen der «American Legion» im Rahmen der vor 200 Jahren unterzeichneten Unabhängigkeitserklärung wurde vom Ausbruch einer Krankheit überschattet. Rund 220 Veteranen der Legion erkrankten innerhalb von 2 Tagen - 29 überlebten die lungenentzündungsähnlichen Symptome nicht. Die Ursache lag im Dunkeln.
Erst im darauffolgenden Jahr konnte man stäbchenförmigen Bakterien identifizieren. Sinnbildlich gab man ihnen den Namen «Legionellen», die Erreger der «Legionärskrankheit». Später fand man heraus, dass sich die Legionellen über die Klimaanlage im ganzen Hotel verbreitet haben. In stehendem Süsswasser oder im schützenden Biofilm an der Innenwand von Wasserleitungen fühlen sie sich bei 25°C bis 45°C besonders wohl. Von dort aus können sie sich in feinen Tröpfchen im Haus verbreiten - sei dies über die Duschbrause oder den Befeuchter in einer Klimaanlage. Werden Legionellen inhaliert, können sie eine gefährliche Lungenentzündung verursachen. Ältere, geschwächte Personen wie die Veteranen in Philadelphia sind besonders gefährdet.
Nie unter 50 Grad und regelmässig spülen
Haben sich Legionellen in Trinkwasserinstallationen erst einmal eingenistet, müssen aufwendige Massnahmen ergriffen werden. Rohre und Speicher werden komplett gereinigt und thermisch - mit Temperaturen bis zu 90°C - oder chemisch desinfiziert. Eine Desinfektion mit UV-Strahlen ist auch möglich.
In Wohnbauten, wo das Legionellen-Risiko als gering eingestuft wird, sind aber vor allem einfache Präventivmassnahmen wichtig. Als sehr wirkungsvoll gilt die konsequente Einhaltung hoher Temperaturen im gesamten Warmwasserverteilnetz. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt eine Auslegung auf 55°C, wobei die Minimaltemperatur im warmgehaltenen Verteilnetz nie unter 50°C sinken soll. Zusätzlich rät das BAG, das genutzte Warmwasser täglich während einer Stunde auf 60°C aufzuheizen. Bei Boiler-Einstellungen um 50°C macht deshalb eine automatische Legionellen-Schaltung Sinn. Eine Steuerung heizt das Warmwasser im Boiler täglich oder zumindest einmal in der Woche auf über 60°C auf, was allfälligen Legionellen das Leben schwer macht.
Dass die Leitungen und Speicher regelmässig durchspült werden, ist ebenfalls wichtig. Bei normalem Warmwasserverbrauch ist das Risiko für die Bildung von Biofilmen gering, doch bei selten benutzten Zapfstellen und Boilern muss man vorsichtig sein. Typisch dafür ist die Dusche oder das Lavabo in einer selten oder nie benutzten Einliegerwohnung eines Einfamilienhauses. Auch ein Boiler in einer Ferienwohnung kann betroffen sein. Diese Installationen sollten deshalb vollständig entleert oder periodisch gespült werden.
Zur Vorbeugung gegen Legionellen sind letztlich auch die Planer gefragt. Die Leitungen des Trinkwasserversorgungsnetzes sollten möglichst kurz sein und so verlegt werden, dass sie überall gut durchströmt sind. Warmwasserleitungen müssen gut gedämmt sein, insbesondere gegen die Kaltwasserleitungen hin. Steigt die Kaltwassertemperatur näm lich über 20°C, besteht auch hier ein Risiko. Ausserdem muss die Kapazität der Wasserspeicher dem Bedarf entsprechen, damit regelmässig das gesamte Warmwasservolumen ausgetauscht wird.
Mechanische Lüftungsanlagen sind nicht kritisch
Mechanische Lüftungssysteme in Wohnbauten sind bezüglich Legionellen nicht kritisch, weil die Raumluft in gängigen Systemen in der Schweiz nicht befeuchtet und auch nicht gekühlt wird. Allfällige Risikofaktoren wie Kondens- oder Fremdwasser in den Anlagen hat man heute im Griff. Die Luftkanalnetze sind konsequent gedämmt, damit der Taupunkt an keiner Stelle unterschritten wird. Erdregister sind mit einem Gefälle von mindestens 1,5% angelegt, so dass sich die Anlage selbst entwässert. Die Zuluft wird gefiltert, und die Lüftungsanlagen sind so gebaut, dass sie in allen Bereichen für Reinigungsarbeiten zugänglich sind.
Eine Untersuchung («Gesundheitliche Aspekte der Komfortlüftungen im Wohnbereich», 2003) von BAG, Suva, Stadt Zürich und Bundesamt für Wohnungswesen bestätigt die hygienische Qualität von mechanischen Lüftungssystemen. Bei allen vier untersuchten Objekten mit Komfortlüftung waren die Konzentrationen an Keimen in der Zuluft deutlich tiefer als im Freien und in der Raumluft.
Wichtige Massnahmen
Legionellen in Trinkwasserinstallationen
- Wassertemperaturen: Im gesamten Verteilnetz mindestens 55°C einhalten, täglich bis wöchentlich kurzzeitig auf über 60°C aufheizen.
- Zirkulation: Längere Zeit nicht benutzte Zapfstellen vor Benutzung einige Minuten durchspülen (mit heissem Wasser). Nach längeren Stillstandzeiten die ganze Anlage komplett spülen.
- Reinigung: Stark verschmutzte und verkalkte Boiler und Rohrleitungssysteme reinigen und desinfizieren.
- Planung: Anlagen bedarfsgerecht auslegen, kurze und gut durchspülte Leitungen planen, korrosionsfreie Materialien mit glatter Oberfläche einsetzen, Warmwasserleitungen gut dämmen.

