Langfristig günstige Hypotheken
Die Schweizer Wirtschaft hat in den vergangenen Monaten wieder an Schwung gewonnen. Die Nationalbank wird die Zinsen deshalb vermutlich noch im laufenden Jahr erhöhen, um die Gefahr einer übermässigen Inflation einzudämmen. Experten erwarten bis Ende Jahr zwei Zinsschritte um insgesamt 0,5 Prozentpunkte. Viele Bankberater warnen ihre Kunden deshalb aktuell vor Geldmarkt- oder Libor-Hypotheken. Ihr Argument: Geldmarkthypotheken seien nur attraktiv bei tiefen oder sinkenden Zinsen. Vor einem absehbaren Zinsanstieg soll man stattdessen eine langjährige Festhypothek abschliessen, um langfristig von den tiefen Zinsen profitieren zu können.
Deutliche Zinsunterschiede
Ein Blick auf die Zinsen und Zinskosten in den vergangenen neun Jahren zeigt ein anderes Bild. Geldmarkthypotheken waren nicht nur kurzfristig und in Tiefzinsphasen sehr günstig, auch langfristig waren ihre Kosten deutlich tiefer: Zehnjährige Festhypotheken kosteten seit 2001 durchschnittlich 4 Prozent, fünfjährige Festhypotheken 3,5 Prozent. Die Zinsen für eine Geldmarkthypothek lagen im selben Zeitraum bei durchschnittlich 2,4 Prozent. Bei einer Hypothek über 500’000 Franken zahlte ein Eigenheimbesitzer mit einer Geldmarkthypothek somit 55’000 Franken weniger Zinsen als mit einer fünfjährigen Festhypothek.
Ursache für diese deutliche Zinsdifferenz zugunsten von Geldmarkthypotheken ist die sogenannte Zinskurve. Sie stellt die Zinsen für unterschiedliche Laufzeiten dar. Kurzfristige Zinsen, jene von Geldmarkthypotheken, sind in der Regel tiefer als langfristige, jene von mehrjährigen Festhypotheken. Aktuell spricht man gar von einer steilen Zinskurve: Kurzfristige Zinsen sind deshalb zurzeit aussergewöhnlich viel tiefer als langfristige. Eine zehnjährige Festhypothek kostet heute rund 2 Prozent mehr als eine Geldmarkthypothek.
Selten teurer als Festhypotheken
Wer sich jetzt für eine langjährige Festhypothek entscheidet, hat deshalb auch bei einem Zinsanstieg noch über mehrere Quartale oder gar Jahre höhere Zinskosten zu tragen als mit einer Geldmarkthypothek. Erst ein markanter Zinsanstieg hätte zur Folge, dass die Geldmarkthypothek teurer wäre als die langjährige Festhypothek. Solche Phasen waren in den letzten Jahren aber kurz und selten.
Geldmarkthypotheken gehören dank dieses Zinsvorteils in jedes Hypotheken-Portfeuille. Sie erlauben im Unterschied zu Festhypotheken, kurzfristig in eine andere Hypothekarform zu wechseln. Sollte sich beispielsweise der erwartete Zinsanstieg verzögern, profitiert der Kreditnehmer mit einer Geldmarkthypothek weiterhin von den sehr tiefen Zinsen – und steigt erst später in eine Festhypothek um.
Absicherung gegen heftigen Zinsanstieg
Es kann sich lohnen, die Geldmarkthypothek mit einem Zinsdach (so genannter Cap) gegen das Risiko eines heftigen Zinsanstiegs abzusichern. Die Höhe des Zinsdachs sollte jedoch nicht zu tief und seine Laufzeit nicht bloss auf drei oder fünf Jahre festgelegt werden, weil die Zinsabsicherung in dieser kurzen Laufzeit ihre Wirkung nicht voll entfalten kann. Zudem gilt: Je tiefer die Zinsobergrenze, desto höher die Absicherungskosten.

