Die Hypothekarstrategie für den Ruhestand planen

28.01.2011

Die Belastung durch die Kosten, die das Eigenheim verursacht, gilt es rechtzeitig zu überdenken, wenn sich mit der Pensionierung die Einkommenslage ändert. Bild HEV

Pensionierung – Vor der Pensionierung stehen wichtige Entscheide in Bezug auf das Eigenheim und die Hypothek an. Sie beeinflussen nicht nur die Wohnkosten im Ruhestand, sondern auch die finanzielle Flexibilität und die Absicherung der Hinterbliebenen.

Eigenheimbesitzer, die in einigen Jahren in Rente gehen, sollten sich rechtzeitig mit den folgenden Fragen befassen: Entspricht die heutige Wohnsituation den Bedürfnissen und Prioritäten nach der Pensionierung, und ist sie auch finanziell weiterhin tragbar? Wie lassen die Wohnkosten sich am  besten senken? Kann sich der hinterbliebene Partner das Eigenheim weiterhin leisten?

Hypothek bei der Pensionierung mit Bedacht amortisieren

Viele Eigenheimbesitzer erwägen, ihre Hypothek vor der Pensionierung ganz oder teilweise zurückzuzahlen, damit die Wohnkosten möglichst tief sind, wenn das Erwerbseinkommen nach der Pensionierung wegfällt. Wer seine Hypothek reduziert, zahlt zwar weniger Hypothekarzinsen, im Gegenzug steigt jedoch die Steuerbelastung, weil der Abzug für Schuldzinsen kleiner wird. Bei einer allfälligen Abschaffung des Eigenmietwerts wären die steuerlichen Aspekte einer Amortisation neu zu beurteilen.

 

Viele Pensionierte verzichten aber vor allem deshalb auf die Amortisation ihrer Hypothek – oder behalten zumindest einen grösseren Teil des Kapitals als jederzeit verfügbare Reserve zurück –, weil sie ihren finanziellen Handlungsspielraum nicht einschränken wollen. Sie möchten es sich ohne weiteres leisten können, ein neues Auto zu kaufen, eine grössere Reise zu unternehmen, ihr Eigenheim zu renovieren oder den Kindern einen Teil ihres Erbes vorzeitig auszuzahlen. Nach der Pensionierung ist es nämlich nicht mehr so einfach, wieder eine Hypothek aufzunehmen oder eine bestehende aufzustocken. Die Kreditgeber überprüfen, ob die Hypothekarbelastung in einem gesunden Verhältnis zu den regelmässigen Einnahmen steht, selbst wenn die Hypothek im Verhältnis zum Verkehrswert der Liegenschaft klein ist.

Viel Geld sparen mit der richtigen Hypothekarstrategie

Die Wohnkosten hängen nicht allein von der Höhe der Hypothek ab. Auch die Wahl der Hypothekarstrategie hat einen grossen Einfluss auf die Zinskosten. Mit dem richtigen Hypothekarmodell oder dem richtigen Laufzeiten-Mix kann man im Lauf der Jahre mehrere zehntausend Franken sparen. Wer beispielsweise zwischen 1990 und 2010 konsequent auf eine Strategie mit fünfjährigen Festhypotheken setzte, zahlte mit einer Hypothek von 500’000 Franken in zehn Jahren durchschnittlich 262’200 Franken Zinsen. Die Zinskosten für eine variable Hypothek beliefen sich im Schnitt auf 210’700 Franken, jene für Geldmarkthypotheken auf 163’100 Franken. Eine Geldmarkthypothek war in zehn Jahren also im Durchschnitt fast 100’000 Franken günstiger als zwei aufeinander folgende 5-Jahres-Festhypotheken. Die Suche nach dem günstigsten Kreditinstitut bringt höchstens einen Bruchteil dieser Ersparnis ein.

Den überlebenden Ehepartner finanziell absichern

Wichtig ist die finanzielle Absicherung des Ehepartners. Die Witwe oder der Witwer hat zwar ein gesetzliches Vorrecht auf das gemeinsame Eigenheim. Im Normalfall gehört es aber nicht dem hinterbliebenen Ehepartner allein, sondern der Erbengemeinschaft, an der auch die Kinder beteiligt sind. Ohne besondere Vorkehrungen stehen den Kindern 50 Prozent des Nachlassvermögens des verstorbenen Elternteils zu. Das Nachlassvermögen besteht aus jenem Teil des ehelichen Vermögens, das gemäss Güterrecht dem verstorbenen Partner gehört. Bestehen die Kinder auf der Auszahlung ihres Erbteils, kann der überlebende Partner finanziell in Bedrängnis geraten, wenn ein Grossteil des Vermögens im Eigenheim oder anderen Vermögenswerten steckt, die sich nicht ohne weiteres verkaufen lassen.

Ist der überlebende Ehepartner nicht in der Lage, die übrigen Erben auszuzahlen, kann er von Gesetzes wegen die Nutzniessung oder das Wohnrecht am gemeinsamen Eigenheim beanspruchen. Möglicherweise ist die finanzielle Belastung aber selbst dann zu gross. Denn er muss weiterhin für den Unterhalt der Liegenschaft aufkommen, bei der Nutzniessung auch für die Hypothekarzinsen. Wenn er in Geldnot gerät, braucht er zudem die Einwilligung aller Erben, um die Hypothek zu erhöhen oder das Haus zu verkaufen. Ein finanzieller Engpass lässt sich in der Regel vermeiden, wenn sich die Ehepartner mit einem Ehevertrag, einem Testament oder einem Erbvertrag gegenseitig so weit wie möglich begünstigen.

Den Erben einen schwierigen Entscheid abnehmen

Wer keinen Ehepartner hinterlässt, bestimmt mit Vorteil in einem Testament oder Erbvertrag, wer das Eigenheim nach seinem Tod erhalten soll. Ohne eine solche Teilungsvorschrift kann die Erbteilung langwierig, aufreibend und teuer werden. Die Erben können sich häufig nicht einigen, ob sie das Haus verkaufen oder vermieten wollen, ihre Preisvorstellungen gehen weit auseinander, oder mehrere Erben möchten das Haus selber übernehmen. Die Folge können jahrelange Auseinandersetzungen sein, die im schlimmsten Fall sogar vor Gericht ausgetragen werden und dann unter Umständen mit einer  öffentlichen Versteigerung des Eigenheims enden. Übersteigt der Wert des Hauses nach Abzug der Hypothek die festgelegte Erbquote des Begünstigten, muss er die übrigen Erben für den übersteigenden Anteil abfinden, falls im Testament nichts anderes festgelegt wurde.

Von: Daniel Weinmann, Experte für Pensionierungsfragen, VZ Vermögenszentrum AG Zürich

Zinskosten bei Hypotheken
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