Präsidial-Ansprache der DV vom 17.05.2010
Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Delegierte
In jüngster Zeit wird wieder einmal das Ende des Einfamilienhausbooms beschworen. So spricht der Chefökonom der CS in einer kürzlich erschienen Immobilienmarktanalyse von strukturellen Problemen im Einfamilienhaussegment und von untrüglichen Zeichen, dass das Einfamilienhaus für’s private Wohnen nicht mehr das Mass aller Dinge sei. Selbstverständlich wird es in den städtischen Agglomerationen immer schwieriger (und unerschwinglicher) ein freistehendes Einfamilienhaus zu bauen oder man sollte eher sagen, sich zu leisten. Diese Tendenz ist aber längst bekannt und ist letzten Endes auch der Grund für die stetige Zunahme von Stockwerkeigentumseinheiten. Für unseren Verband ist es auch nicht entscheidend, ob nun in der Zukunft etwas weniger Einfamilienhäuser und dafür umso mehr Doppeleinfamilienhäuser oder Stockwerkeigentumseinheiten gebaut werden; der regionale Unterschied wird sich in Zukunft noch weiter fortsetzen und insbesondere in ländlichen Regionen wird das traditionelle Einfamilienhaus nach wie vor sehr begehrt sein.
Und so bin ich denn auch schon bei der Bautätigkeit
Der Mehrfamilienhausbau unterliegt im Vergleich zu den Einfamilienhäusern stärkeren Schwankungen und hat sich in den letzen Jahren zwischen 2000 bis 2005 von rund 3000 auf nun mehr 5500 Einheiten pro Jahr fast verdoppelt. Eine Produktionshöhe, die wir in den 1990er Jahren schon einmal hatten. Der Schweiz. Baupreis Index hat denn auch in den letzten Jahren deutlich abgenommen (von der Veränderung her gesehen, er ist also nicht mehr so stark gestiegen). Aufgrund der nach wie vor hohen Nachfrage nach Mietwohnungen ist das Wohnen nach wie vor teurer geworden. Was langfristig für ein Immobilieninvestment spricht (sei es als Einfamilienhaus oder Mehrfamilienhaus), zeigt der langjährige Vergleich des SPI und von Immobilienanlagen.
Zinssituation
Erwartungsgemäss hat sich der Referenzzinssatz nicht mehr verändert und liegt zurzeit bei 3.0%. Die tiefe Zinssituation ist denn auch einer der Hauptgründe für die stabile Situation des Immobilienmarktes Schweiz.
Zur aktuellen Wirtschaftslage im Allgemeinen
Die Weltkonjunktur befindet sich wieder auf Wachstumskurs, wobei grosse Unterschiede zwischen den globalen Märkten bestehen. Die aktuelle Erholung geht insbesondere von den Schwellenländern in Asien und Südamerika aus. Die Schweizer Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet. Dies widerspiegelt auch die bereits wieder leicht sinkende Zahl der Arbeitslosenquote. Dazu kommt die wieder positivere Konsumentenstimmung, die seit anfangs Januar 2010 deutlich am Steigen begriffen ist. Die Konsumenten erwarten für die kommenden Monate eine sinkende Arbeitslosenzahl und rechnen mit einer positiven Entwicklung der persönlichen finanziellen Situation sowie einer Verbesserung der allgemeinen Wirtschaftslage.
Die Arbeitslosenzahlen im Kanton St. Gallen liegen bei ca. 3,6% und sind immer noch leicht unter dem Mittel der Schweiz von ca. 4,0%. Nicht nur die Wirtschaftslage im Allgemeinen sondern das Problem und insbesondere die Lösung der Probleme, die mit der veränderten Demographie im Zusammenhang stehen, das wird die Herausforderung für uns alle in der Zukunft sein. Die stetige Zunahme von Altersgruppen über 45 und die dauernde Abnahme von Altersgruppen unter 45 werden uns in Zukunft vor sehr grosse Probleme stellen. Diese Weichenstellungen müssen wir gemeinsam angehen.
Energie / Umweltschutz
Der haushälterische Umgang mit Energie ist eine Aufgabe von uns allen, auch den Haus- und Wohneigentümern. Ich bin überzeugt, dass auch die Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer ihr Verhalten danach ausrichten. Die sehr grosse Nachfrage nach Energieberatung lässt denn auch darauf schliessen. Es wird in Zukunft eine Aufgabe unseres Verbandes sein, in irgendeiner Form unseren Mitgliedern in dieser Richtung zu helfen und diese zu unterstützen. Die Energieagentur St. Gallen ist im Aufbau begriffen. Ich arbeite persönlich als Verbandsvertreter in dieser Arbeitsgruppe mit. Die Energieberatung wird auch in unserem „Projekt HEV 2012+“ einen wichtigen Stellenwert einnehmen.
Zu den eigentumsspezifischen Fragen unseres Verbandes
Auf Bundesebene beschäftigen uns sicherlich die Zwillingsinitiative, einerseits sicheres Wohnen im Alter und andererseits das Bausparen. Werfen wir zuerst einen Blick zum Bausparen. Der Nationalrat hat in diesem Frühjahr mit überwältigendem Mehr den beiden Bausparinitiativen zugestimmt. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerates beantragt nun auch dem Ständerat das gleiche zu tun, dies trotz der Empfehlung der Kantonalen Finanzdirektoren, die in diesem probaten Mittel zur Förderung des Eigentums keine Vorteile sehen. Wir sind gespannt auf das Ergebnis des Ständerates, das in der Junisession dieses Jahres vorliegen wird.
Zur Eigenmietwertinitiative
Der Gegenvorschlag des Bundesrates, den Eigenmietwert abzuschaffen und dabei mit Ausnahme eines Schuldzinsenabzuges nach dem Kauf sowie besonderen Abzügen für Energie- und Umweltschutzmassnahmen auf weitere Abzüge zu verzichten, lehnt der HEV Schweiz ab. Das ist auch richtig so, denn gerade in ländlichen Regionen, wie der Kanton St. Gallen mit einem starken Baugewerbe, sind wir und das Gewerbe auf diese Abzugsmöglichkeiten bzw. Investitionsmöglichkeiten angewiesen. Eine radikale Systemumstellung, kein Eigenmietwert, keine Abzüge ist für den Durchschnittsschweizer-Wohneigentümer die schlechtere Lösung. Dazu kommt, dass neben dem Eigentümer auch der Fiskus von der Tiefzinspolitik massiv profitiert.
Zur Politik im Kanton St. Gallen
Neben dem neuen Wasserbaugesetz war insbesondere die 6. Steuergesetzrevision für die St. Galler Wohneigentümerinnen und Wohneigentümer von Bedeutung. Dies insbesondere mit:
- Wegfall der Dumont-Praxis
- Senkung der Bandbreite für die Grundsteuern
sind wichtige HEV-Anliegen, die nun realisiert wurden. Die politischen Erfolge aus HEV-Sicht dürfen sich in den letzten Jahren sehen lassen. Das ständige Engagement aber auch die überparteiliche Zusammenarbeit über die Gruppe Haus- und Grundeigentum des Kantonsrates trägt Früchte. Ich benutze hier die Gelegenheit, sämtlichen Mitgliedern der Gruppe Haus- und Grundeigentum unseres Kantonsrates für ihr Engagement zu Gunsten des Wohneigentums ganz herzlich zu danken. Politische Anliegen, die uns im Bund mit der Bundessteuer und auch im Kanton zurzeit beschäftigen sind die Fragen zur steuerlichen Behandlung von Ersatzbeschaffung von Wohneigentum. Hier stellt sich die Frage, ob mit der Gesetzesrevision von der absoluten Berechnungsmethode zur relativen Berechnungsmethode umgestellt werden soll. Die relative Berechnungsmethode mit entsprechendem Aufschub, der Besteuerung des Grundstückgewinnes wird durch den HEV Schweiz klar bevorzugt. Ein weiteres Problem, das wir in der Zukunft angehen wollen, ist die teuerungsbedingte Berechungsart des Grundstückgewinnes. Hier gibt es sehr unterschiedliche Berechnungsarten innerhalb der Kantone. Analog zum Ausgleich der kalten Progression bei den Einkommenssteuern werden wir uns für eine teuerungsbedingte Abrechnung des Grundstückgewinnes einsetzen. Daran werden wir in Zukunft arbeiten.
Entwicklung unseres Verbandes
Mitgliederbestand
Ich bin hocherfreut über den sehr massiven Mitgliedernettozuwachs unseres Verbandes. Eine Nettozunahme von 1‘346 Mitgliedern ist bei einem durchschnittlichen Abgang von ca. 950 Mitgliedern pro Jahr sehr, sehr erfreulich. Der Mitgliederbestand ist in den letzten 3 Jahren um fast 20% gestiegen, ganz genau plus 19,4%. Politische Parteien gleich welchen Couleurs träumen von solchen Zahlen. Die erfreuliche Zahl unseres Mitgliederbestandes und die zugleich grosse Zufriedenheit unserer Mitglieder in der Mitgliederumfrage 2008/2009 halten die Geschäftsleitung nicht davon ab an der Zukunft unseres Verbandes zu bauen.
HEV 2012 plus heisst das Projekt. Ziel wird es sein, effizienter in den Sektionen zu arbeiten – den Mitgliedernutzen zu erhöhen. Der Vorstand unseres Verbandes hat an der Vorstandssitzung im März dieses Jahres den Grundsatzentscheid dazu gefällt. Wir können nun den eingeschlagenen Weg in der Geschäftsleitung weitergehen. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf das separate Traktandum an der heutigen Delegiertenversammlung.
Ich freue mich, sehr geehrte Delegierte, liebe Sektionspräsidentinnen und Sektionspräsidenten, diesen Weg mit ihnen gemeinsam zu gehen. Ein rechtes Stück Arbeit steht uns bevor. Miteinander (Geschäftsleitung mit den Sektionen) werden wir es schaffen, unseren Verband für die Zukunft noch besser aufzustellen und für unsere Mitglieder noch stärker zu machen! Mit diesen Worten erkläre ich die heutige Delegiertenversammlung als eröffnet.
