Kleine Häuser mit grosser Zukunft
Auf wenig Raum wurden fünf Hausmodule untergebracht, ohne auf hochstehende Architektur zu verzichten und ohne Abstriche bei der Wohnqualität zu machen. Bilder Aellig+Lamparsky Architekten
Sie sind miteinander über einen hölzernen Steg verbunden, bilden aber trotzdem eine selbstständige Einheit – sozusagen eine Welt für sich. Zu jedem Haus gehört eine Holzterrasse mit kleinem Garten, wo man – ungestört von Nachbarsblicken – die Ruhe geniessen kann. Gleichzeitig sind diese fünf Häuser, die gezielt auf die Bedürfnisse von Alleinstehenden ausgerichtet wurden, ebenfallst eine Art Einheit. Das heisst: Wer will, findet hier schnell den Kontakt zu den anderen Bewohnern. «Die Privatsphäre ist gerade für Alleinstehende sehr wichtig. Mit der geschickten Anordnung der als Hofhäuser konzipierten Module wird der Vorgarten mit überdachter Veranda zum zusätzlichen Zimmer. Nicht einmal Vorhänge braucht es, um vor neugierigen Blicken geschützt zu sein», erklärt Lorenz Aellig von aellig + lamparsky architekten in Schaffhausen. Der Architekt hat in Dörflingen unter dem Namen «la scatola» eine Siedlung mit fünf Häusern für Singles gebaut und bewohnt selber eines davon. Die Kleinhäuser befinden sich in ländlicher Umgebung und abseits von Lärm als Orte der Ruhe, wo der Mensch im Mittelpunkt steht. Das Projekt wurde vom Architektur Forum Ostschweiz mit der Auszeichnung «gutes Bauen 2006–2010» gewürdigt.
Raumaufteilung bis ins Detail durchdacht
Alle Häuser ruhen auf einem Betonfundament. Dieses dient zugleich als Keller mit einer Fläche von etwa siebzig Quadratmetern. Auf dem Betonsockel steht eine Holzkonstruktion aus vorgefertigten Elementen. Sie bilden zusammen ein Rechteck. Die Raumaufteilung ist – angesichts der auf siebzig Quadratmeter reduzierten Wohnfläche – bis ins Detail durchdacht. An der einen Schmalseite des Rechtecks liegt ein Raum, der für Gäste oder als Büro genutzt werden kann. Anschliessend folgt der Wohnund Essbereich mit integrierter Küche. Das übrige Drittel des Rechtecks umfasst das Schlafzimmer mit Bad. Schiebetüren sowie eine grosse Wandschrankfront sorgen für eine optimale Raumnutzung. Zudem lassen sich die in Skandinavien hergestellten Fenster mit auffällig feinen Profilen nach aussen hin öffnen – auch dies spart Platz. Die Räume verfügen gegen Südwesten über eine Fensterfront, während die Hinterwand aus energetischen Gründen geschlossen ist. Die Dämmung entspricht laut Lorenz Aellig jener eines Minergiehauses. Auf eine Komfortlüftung wurde jedoch aus Kostengründen verzichtet. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe, die auf dem Dach installiert wurde, um keinen Platz im Wohnbereich in Anspruch zu nehmen. Leitungen für allfällige Sonnenkollektoren wurden bereits eingezogen.
Ausgefallene Lösungen für jüngere Singles
Singlehäuser widerspiegeln ein Bedürfnis der heutigen Gesellschaft. Trendforscher sprechen von «Lebensabschnittsimmobilien ». Besonders in grösseren Städten nimmt die Zahl der Einpersonenhaushalte zu. Alleinstehende schätzen zudem oft die Unabhängigkeit, die mit einem eigenen Dach über dem Kopf einhergeht. Viele sind freiheitsliebend und wollen, unabhängig ihres Alters, sich selbst verwirklichen. Entsprechend möchten sie auch beim Wohnen kaum Kompromisse eingehen. Dadurch bilden sie eine Zielgruppe für eine neue Art von Häusern. Während die älteren Singles eher Bungalows bevorzugen, kommen für jüngere Alleinstehende auch zweistöckige Hausmodelle infrage. Insgesamt lässt sich ein Trend zu offenen, hellen und grosszügigen Räumen beobachten. Vor allem jüngere Singles entscheiden sich gerne für ausgefallene Lösungen wie zum Beispiel eine Art Baumhaus, das auf Säulen liegt, ein energieautarkes, mobiles Chalet oder ausbaubare Hausboote. In Österreich gibt es Öko-Modulhäuser in Strohballenbauweise mit Lehmplatten für die Beplankung. Die sogenannten Minihäuser kommen zum Teil mit fünfzig und weniger Quadratmetern Wohnfläche aus, sind jedoch meist mit Küche, Bad und Schlafraum voll ausgestattet. Einige Modulversionen lassen sich vom Singlehaus zum Einfamilienhaus erweitern.
Wohnkomfort in den eigenen vier Wänden
Auf Einzelpersonen wie auch Ehepaare, deren Kinder inzwischen ausgezogen sind, konzentriert sich zum Beispiel auch die Roth Bautechnik AG in St. Gallen. Das Unternehmen führt ein Single- und Partnerhaus im Programm, das gerade älteren Menschen hohen Wohnkomfort in den eigenen vier Wänden bieten soll, wie der Marketingverantwortliche Rolf Junkert sagt. «In ein Altersheim zu ziehen ist für viele Menschen dieser Generation eine Situation, mit der sie sich nicht anfreunden können. Vielmehr möchten sie noch lange in ihrem eigenen Haus wohnen und selbstständig ihren Alltag organisieren », sagt Junkert. Weil jedoch ein grosses Haus mit viel Umschwung zu viel Aufwand bedeuten würde, bevorzugen vor allem ältere Menschen laut Junkert ein kleineres Haus, das gezielt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Anordnung als Alterssiedlung
Auch beim von Roth Bautechnik geplanten Single- oder Partnerhaus wird mit der Elementbauweise gearbeitet. Die vorgefertigten Elemente werden auf einer Bodenplatte mit zwei Stockwerken und leicht geneigtem Flachdach erstellt. Im Erdgeschoss befinden sich eine Küche mit Bar und Vorratsraum, ein separates WC sowie das Wohnzimmer. Im Dachgeschoss sind ein Schlafzimmer, ein Aufenthaltsraum – der zum Beispiel als Büro genutzt werden kann – sowie ein Badezimmer mit Toilette vorgesehen. Ingesamt beträgt die Wohnfläche achtzig Quadratmeter. Wer will, kann das Basismodul durch ein Kellergeschoss erweitern. Möglich ist es zudem, jederzeit einen Lift seitlich oder mittig zwischen zwei Gebäuden anzubauen, um die oberen Etagen zu erreichen. Der Landanteil für das Singlehaus beträgt circa 280 bis 300 Quadratmeter. Beheizt wird es mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Ein Solarkollektor ist für die Warmwasseraufbereitung vorgesehen. «Kreisförmig angeordnet, können mit diesen Modulen auch Alterssiedlungen gebaut werden, die das Zusammenleben in individuellen Hausgemeinschaften verbessern. Das Zentrum kann zum Beispiel durch einen Treffpunkt mit Brunnen für gemeinsame Anlässe gestaltet werden. Ausserdem haben Spitex und externe Verpflegungsdienste dank dieser Anordnung einen guten Zugang zu den Häusern», sagt Rolf Junkert. Miete und Unterhalt seien bei einem Singlehaus um einiges tiefer als bei einem normalen Einfamilienhaus – und das bei gleichem Komfort.







