• Die neue Flexibilität bei der Gebäudemodernisierung

Die neue Flexibilität bei der Gebäudemodernisierung

17.10.2017    

Den Grundsatz «Zuerst die Hülle, dann die Heizung» neu beurteilt

Bisher ist bei einer Gebäudemodernisierung der Grundsatz propagiert worden, zuerst die Gebäudehülle energetisch zu optimieren und damit den Energieverlust zu minimieren, bevor das Heizsystem ersetzt wird. Die bis dahin übliche Verfahrensweise, eine Heizung möglichst punktgenau auf den gesenkten Wärmebedarf zu dimensionieren, lässt sich mit modernen Heizsystemen aber flexibler auslegen als früher.

Eines vorweg: Wer die Möglichkeit hat, eine umfassende Modernisierung eines Gebäudes zu planen, hat zahlreiche Vorteile auf seiner Seite. Das Bestimmen von sinnvollen Teilprojekten und deren Finanzierung aufgrund der unterschiedlichen Nutzungsdauer von Bauteilen oder das Klären von Schnittstellen an sensiblen Bauteilübergängen wie Fassade und Fenster sind nur zwei von etlichen Beispielen. Eine Gebäudemodernisierung mit Konzept bietet nicht nur eine ausführliche Analyse des Baubestands mit Empfehlungen zur schrittweisen Umsetzung von Erneuerungsmassnahmen, damit verknüpft ist auch eine attraktive stufenweise Förderung.

Energieeffiziente Heizsysteme
Hauseigentümer können in Zugzwang geraten, wenn sich am Gebäude Erneuerungsmassnahmen aufgrund der erreichten Nutzungsdauer von Bau- oder Anlageteilen aufdrängen. Heizsysteme erfüllen ihre Funktion durchschnittlich 15 bis 20 Jahre. Gebäudehüllen dagegen haben eine deutlich längere Nutzungsdauer. Bei geneigten Dächern beträgt sie 40 Jahre, bei Fassaden und Fenstern 30 Jahre und mehr. Unter diesen Voraussetzungen lassen sich Erneuerungsmassnahmen nicht immer wie gewünscht auf der Zeitachse koordinieren. Steht eine Erneuerung des Heizsystems an, während bei der Fassade erst in einigen Jahren Handlungsbedarf besteht, stellt sich die Frage nach der Auslegung der Heizanlage. Früher haben Heizanlagen nur bei optimaler Auslastung effizient gearbeitet. Moderne Heizanlagen sind da weit gutmütiger. Falls durch eine energetisch optimierte Fassade in einigen Jahren der Wärmebedarf gesenkt würde, kann die Heizanlage ohne Effizienzeinbusse nachreguliert werden. Eine solche Absenkung macht sich finanziell kaum negativ bemerkbar, da sie weder einen Einfluss auf die Wärmekosten hat noch wäre eine Anlage mit tieferer Heizleistung kostengünstiger zu erstellen gewesen. Vielmehr ausschlaggebend für einen Heizungsersatz sind die finanziellen Einsparungen einer modernen energieeffizienten Heizanlage gegenüber einer alten. Und ein Wechsel des Energieträgers auf erneuerbare Energien ermöglicht eine zusätzliche Kostensenkung beim Heizungsersatz: Vergleicht man die anfallenden Wärmekosten, liegen Anlagen, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, klar vorne.

Inbetriebnahme und Betriebsoptimierungen
Mit der Erneuerung des Heizsystems ist das Sparpotenzial aber noch nicht ausgeschöpft. Bei der Inbetriebnahme einer neuen Anlage ist wichtig, die entscheidenden Stellschrauben zu prüfen und gegebenenfalls ihre Einstellungen zu optimieren. Im Wesentlichen sind das der hydraulische Abgleich, eine an die Gebäudehülle angepasste Heizkurve und Heizzeiten, die auf das Verhalten der Benutzer abgestimmt sind. Übrigens lohnt sich die periodische Überprüfung auch bei allen bestehenden Heizanlagen.