• Gastgeber mit Herz und Seele

Gastgeber mit Herz und Seele

16.04.2018     Text: Sarah Peter Vogt, intu consulting & coaching

Mein Haus, mein Zuhause - Lange Jahre des Berufes wegen im Ausland wohnhaft und stark engagiert, entschied sich Thomas Baer, mit seiner Familie in die Schweiz zurückzukehren, genauer gesagt in die Ostschweiz - nach Rorschach. Sein Leben gestaltet er heute bewusst ruhiger und überschaubarer – in einem spannenden Haus u.a. als Airbnb-Gastgeber.

Thomas und Pascale Baer (beide 42) wohnen mit ihren Kindern, Charlotte (8) und Louise (6), in einem Heim, welches nicht zu übersehen ist. Ein Haus, das man - einmal gesehen – auch nicht mehr vergisst. Das Augenfälligste ist sicherlich das von einem Londoner Künstler an der Aussenfassade prominent angebrachte Graffiti. «Mind the Gap» steht da, was soviel heisst wie «Achte auf die Lücke». Wer London kennt, erinnert sich vielleicht an diesen Satz. Es ist ein Sicherheitshinweis, der insbesondere an den Stationen der Londoner U-Bahn immer wieder zu hören ist. Wie kommt ein Hausbesitzer auf die Idee, diesen Satz auf sein Haus malen zu lassen? Thomas Baer schmunzelt. Es sei in der Tat eine schöne Erinnerung an die vier interessanten Jahre in London. Aber es stecke noch mehr dahinter. Denn der Satz solle darauf hinweisen, achtsam zu sein und so mit möglichen Schwierigkeiten im Leben besser umgehen zu können. Das 12-Zimmerhaus in Rorschach steht aber für viel mehr als das. Es steht für eine offene Weltanschauung, für Interesse an Menschen aus allen Ländern, für die Liebe zum Detail. Das dreistöckige Gebäude wurde 1902 gebaut und 2008 und 2014 umgebaut. Seit 2011 ist es im Besitz der Familie Baer. Das Haus ist sehr liebevoll eingerichtet mit viel moderner Kunst, Design und Witz. Der Blick auf den Bodensee ist spektakulär, am eindrücklichsten von der Dachterrasse aus.

Herzstück Küche<br/> Die junge Familie ist vielbeschäftigt. Beide Elternteile sind top ausgebildet, beruflich ambitioniert und engagiert und teilen sich die Eltern- und Hausarbeit, wenn die Kinder nicht in der Krippe oder am Mittagstisch sind. Thomas Baer arbeitet 80% als strategischer Planer in einer St Galler Kreativagentur und betreut während zweier Nachmittage seine beiden Mädchen. Das Leben spielt sich zu einem grossen Teil in der grossen, hellen Küche ab. Sie ist sehr praktisch und mit viel Charme eingerichtet. Beim Stichwort Küche kommt der ambitionierte Hobbykoch ins Schwärmen. Dies sei der absolute Mittelpunkt im Haus. Hier würden sich alle am liebsten und häufigsten aufhalten.

Wer braucht schon zwölf Zimmer?<br/> «Niemand», meint Thomas Baer lachend. Darum hätten sie sich überlegt, wie man das Haus noch anders nutzen und beleben könnte. Die Idee, den obersten Stock für kurze Dauer an Menschen aus aller Welt zu vermieten, gefiel ihnen sehr gut. Sie selber hatten schon Erfahrungen mit Airbnb gemacht und so entschieden sie sich vor vier Jahren, Airbnb-Gastgeber zu werden. Mit 100 Prozent positiven Erfahrungen, wie Thomas Baer bestätigt. «Dies füllt unser Herz und ein bisschen auch unser Portemonnaie.» Ausschlaggebend sei aber die Neugierde und die Freude an Menschen, nicht das Finanzielle, betont er.

Auf die Frage, wie er zur Kritik am Airbnb-Vermietungsmodell stehe, meint Thomas Baer, er fände nicht, dass er der lokalen Hotellerie etwas wegnähme. Erstens sei das Angebot in Rorschach nicht gerade berauschend und zweitens würde er wie alle anderen Hotels seinen Mitgliederbeitrag bei St. Gallen-Bodensee Tourismus leisten, Kurtaxe abrechnen und natürlich die Einkünfte versteuern. Er sieht sein Airbnb mit Familienanschluss als wertvolle Ergänzung zum bestehenden Angebot.