• VEWA – ein neues Abrechnungsmodell ersetzt die VHKA

VEWA – ein neues Abrechnungsmodell ersetzt die VHKA

02.10.2017     THOMAS AMMANN dipl. Arch. FH, Ressortleiter Energie- und Bautechnik beim HEV Schweiz

Altes Modell neu aufgemacht – Die VHKA (Verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung) und die VWKA (Verbrauchsabhängige Wasserkostenabrechnung) wurden zusammengeführt und dem neusten Stand der Dämmstandards und der Messtechnik angepasst.

Seit Mitte der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts werden in der Schweiz bei Neubauten und umfassenden Erneuerungen die Energiekosten für die Heizung individuell gemessen und auch entsprechend abgerechnet. Das Abrechnungsmodell wurde seither nur geringfügig angepasst und modifiziert. 

Weitere Abrechnungstatbestände 

Mit der verbesserten Wärmedämmung verschob sich in den vergangenen Jahren die Last von der Heizenergie immer mehr zur Warmwasseraufbereitung. In einem heutigen Neubau wird gleich viel Energie für die Heizung wie für die Warmwasseraufbereitung benötigt. Bei heizenergieoptimierten Bauten macht das Warmwasser bereits einen grösseren Anteil aus. 2010 lancierte der Verband der Wärmeabrechnungsfirmen ein Modell zur verbrauchsabhängigen Wasserabrechnung. Seither kann auch der reine Wasserverbrauch sozialverträglich abgerechnet werden.

Durch die steigenden Temperaturen, insbesondere auch im Sommer, wird in den warmen Jahreszeiten in Zukunft vermehrt gekühlt werden. Auch diese Energie gilt es bald verursachergerecht abzurechnen. Vor diesem Hintergrund hat sich das Bundesamt für Energie entschlossen, die einzelnen Abrechnungsverfahren in ein einziges zusammenzufassen. Unter Einbezug verschiedener Interessenverbände ist das Modell zur Verbrauchsabhängigen Energie- und Wasserkostenabrechnung (VEWA) entstanden. 

Was ist neu? 

Nebst dem Zusammenführen der einzelnen Abrechnungsmodelle sind diese auch den veränderten Gegebenheiten moderner Bauten angepasst worden. In diesem Zusammenhang wird neu auf den Lageausgleich der einzelnen Räume verzichtet. Die Differenzen des Heizenergiebedarfs aufgrund der Lage sind dank der guten Wärmedämmungen verschwindend klein geworden, was diesen Schritt rechtfertigt. Für Bauten, die vor 2017 erstellt wurden, gilt weiterhin das Abrechnungsmodell VHKA von 2004, in dem der Lageausgleich noch berücksichtigt wird. 

Hingegen bleibt der Zwangswärmekonsum, z. B. durch Steigleitungen, auch mit der VEWA bestehen und wird beim Verteilschlüssel weiterhin berücksichtigt. Ebenfalls beibehalten wird der Grundkostenanteil. Dieser Anteil widerspiegelt, dass sich alle Parteien an der Grundbeheizung der Liegenschaft zu beteiligen haben, auch wenn z. B. eine Wohnung zwischenzeitlich nicht genutzt wird. Für Neubauten wird dieser Anteil von 30 bis 50 Prozent gemäss bisheriger Praxis neu auf generell 30 Prozent gesenkt. 

Zur unterjährigen Abgrenzung der Verbrauchskosten, z. B. bei einem Mieterwechsel, wurden bisher die Heizgradtage (HGT) beigezogen. 2015 hat der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverband (SIA) die HGT durch die Akkumulierten Temperaturdifferenzen (ATD) ersetzt. Diese seien etwas genauer als die HGT, meint der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) dazu. Für die Heizkostenabrechnungen ist die Abweichung indessen minimal und insbesondere bei neuen Zählern, bei denen eine Ablesung  jederzeit möglich ist, werden diese Vergleichsgrössen in der Regel nicht mehr benötigt. Nicht nur die messtechnischen Aspekte wurden überholt. Mit der VEWA soll auch die Übersichtlichkeit der Energiekostenabrechnung verbessert werden. Grafisch wird dargestellt, wie die einzelnen Wohnungen im Vergleich zur gesamten Liegenschaft und gegenüber der letzten Abrechnung dastehen. 

Verbindlichkeit der VEWA 

Bei der VEWA, wie auch bereits bei der VHKA, handelt es sich lediglich um ein Mess- und Abrechnungsmodell. Spätestens ab 2018 jedoch müssen Neubauten, für die eine individuelle Energie- und Wasserkostenabrechnung vorgesehen ist, nach dem Modell der VEWA gemessen und abgerechnet werden. Für alle bestehenden Bauten bleiben die bisherigen Modelle der VHKA gültig.

Bei welchen Gebäuden die Energiekosten individuell abgerechnet werden müssen, entscheiden letztendlich die Kantone mittels ihrer Energievorschriften. In den meisten Kantonen mussten bisher Mehrfamilienhäuser mit vier, fünf oder erst ab sechs Wohnungen entsprechend abgerechnet werden, wenn sie neu erstellt wurden – oder nach einer Gesamterneuerung. Mit der Umsetzung der MuKEn 2014 dürfte sich dies vielerorts wieder ändern. In Neubauten muss künftig nur noch das Warmwasser individuell erfasst und abgerechnet werden. Heizung, Kühlung und der Wasserverbrauch können pauschal in die Nebenkosten fliessen. Zur Wahrung des sozialen Friedens innerhalb einer Liegenschaft oder im Stockwerkeigentum kann es weiterhin sinnvoll sein, auch die Heizungskosten individuell abzurechnen. 

VEWA – DOKUMENTATION ZUM ABRECHNUNGSMODELL

Mit der Verbrauchsabhängigen Energie- und Wasserkostenabrechnung (VEWA) hat das Bundesamt für Energie die bisherige VHKA und VWKA zusammengefasst. Neu ist auch die Kühlenergie mitenthalten. Die VEWA gilt für Neubauten ab 2017. Die Dokumentation zum Abrechnungsmodell kann direkt bei EnergieSchweiz bezogen werden: www.energieschweiz.ch