Späte Eltern müssen anders planen – und am besten frühzeitig
Frauen, die erst mit über 35 Jahren Mutter werden, gibt es hierzulande immer mehr. Die Fragen zur Vorsorge gestalten sich unter dem Gesichtspunkt einer späten Elternschaft etwas anders. Bild istock
Schiebt ein Mittfünfziger einen Kinderwagen durch den Park, kommen heute nur noch die wenigsten auf die Idee, dass da ein Grossvater seinen Enkel spazieren führt. Denn spätes Kinderglück liegt im Trend. Ein Blick in die Statistik zeigt: Waren vor 30 Jahren Schwangere über 35 hierzulande noch die Ausnahme, machen sie heute laut Bundesamt für Statistik bereits rund 30 Prozent der werdenden Mütter aus – Tendenz steigend. Die Väter sind in der Regel etwas älter und nicht selten über 50.
Komplexere Fragen
Mit dem Nachwuchs gestaltet sich die Vorsorge komplexer. Oft erhöhen sich die Ausgaben, die zudem nicht selten mit einem niedrigeren Einkommen zu decken sind.
Zum Beispiel bei Maja B. (44) und Peter K. (52): Sie arbeiten beide Vollzeit, leben im Konkubinat, haben vor zwei Jahren ein Haus gebaut und erwarten ihr erstes gemeinsames Kind, Töchterchen Lisa. Nun tauchen neue Fragen auf: Ist die Familie finanziell genügend abgesichert, falls den Eltern etwas zustösst? Was müssen sie über die Vorsorge wissen, zumal auch eine Hypothek zu bedienen ist oder der Tochter später ein Studium finanziert werden soll?
Werden Maja B. oder Peter K. erwerbsunfähig, sind sie über die erste und die zweite Säule abgesichert. Die Höhe der Leistungen ist bei Erwerbsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall unterschiedlich. In der Regel betragen sie zwischen 60 und 90 Prozent des letzten Bruttolohns. Darin inbegriffen ist eine Invalidenrente für Lisa. Diese steht ihr bis zum 18. Lebensjahr zu. Befindet sich die Tochter noch in der Erstausbildung, wird die Rente bis zum Abschluss der Ausbildung ausbezahlt, höchstens aber bis zum vollendeten 25. Altersjahr.
Da Maja B. und Peter K. nicht verheiratet sind, werden im Todesfall – ausser der Waisenrente für Lisa – keine Hinterlassenenleistungen von der ersten und zweiten Säule ausgerichtet. In der zweiten Säule besteht aber je nach Vorsorgereglement die Möglichkeit, den Partner im Todesfall zu begünstigen.
Kluge Mischlösung bei der Pensionskasse
Künftig wird hauptsächlich Peter K. für den Lebensunterhalt der Familie aufkommen, denn Maja B. wird nach dem Mutterschaftsurlaub reduziert arbeiten. Mit dem insgesamt niedrigeren Lohn sinken in der Regel auch die Leistungen aus der ersten und zweiten Säule. Diese Ausfälle lassen sich über die dritte Säule auffangen, zum Beispiel mit einer Sparversicherung.
Peter K. hat bis zu seiner ordentlichen Pensionierung noch 13 Jahre zu arbeiten. Falls er bei der AHV keine Beitragslücken und das nötige Durchschnittseinkommen aufweist, wird er aus der ersten Säule die maximale Altersrente beziehen. Dasselbe gilt für seine Partnerin. Heiratet er allerdings Maja B., so gibt es statt zwei Maximalrenten nur noch eine plafonierte Rente (150% einer Maximalrente). Zudem hat Peter K. ab dem ordentlichen Pensionsalter Anspruch auf eine Kinderrente für Lisa, bis sie 18 ist – oder 25, falls sie die Erstausbildung noch nicht abgeschlossen hat.
Auszahlen lassen oder Rente beziehen?
Bei der zweiten Säule stellt sich Peter K. die Frage, ob er sich sein Pensionskassen-Kapital auszahlen lässt oder es als Rente bezieht. Bewährt haben sich Mischformen. Er kann beispielsweise die Hälfte seines Geldes als Rente beziehen und sich den Rest auszahlen lassen. So steht genug Geld für die Ausbildung von Lisa oder für allfällige Reparaturen am Haus zur Verfügung. Die monatliche Rente fällt durch den Bezug des Kapitals geringer aus.
Frühzeitige und umfassende Planung
In die Finanzplanung müssen die werdenden Eltern auch allfällige Renovationen am Haus einbeziehen. Wegen des reduzierten Einkommens von Maja B. könnte es hier knapp werden. An einer entsprechenden Versicherung sollte nicht gespart werden. Der Versicherungsschutz ist so zu wählen, dass die Immobilie nicht verkauft werden muss, falls der Lohn ausfällt oder den Eltern etwas zustösst.
Später Nachwuchs bedingt eine frühzeitige ganzheitliche und auf den Einzelfall abgestimmte Finanzplanung. Es ist sehr empfehlenswert, sich hier von einer Fachkraft unterstützen zu lassen. So vermeidet man böse Überraschungen und sieht einer sorgenfreien Zukunft entgegen.

