Grosse Mieterzufriedenheit bestätigt

22.07.2011

Ökologische Anliegen wie energetische Sanierungen werden gemäss Studie von über zwei Dritteln der Mieter nur unterstützt, wenn sie nichts dafür bezahlen müssen. Bild HEV

Mieterumfrage der Westschweizer Immobilienorganisationen – 2011 wurden Mieter und erstmals auch Eigentümer zur Beziehung zwischen Mietern und Vermietern befragt. Die Umfrage 2011 bestätigte die überaus grosse Wohnzufriedenheit der Mieter. Gezeigt hat sich allerdings, dass die Zahlungsbereitschaft der Mieter für energetische Verbesserungen fehlt.

Seit 1999 lancieren die Westschweizer Immobilienorganisationen alle zwei Jahre eine Umfrage zur Mieterzufriedenheit. Die Umfrage 2011 zeigt folgendes Bild:

90 % der Mieter sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Wohnsituation. Auf einer Skala von 1 (sehr unzufrieden) bis 10 (sehr zufrieden) bewerten 23 % der Mieter ihre Wohnzufriedenheit mit den Noten 9 und 10; 37 % vergeben die Note 8, 24 % erteilen die Note 7, 6 % die Note 6 und nur 10 % benoten ihre Wohnsituation mit lediglich zwischen 1 bis 5. Was die Eigentümer betrifft, so erklären sich 99 % für zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrer Wohnung.

5 % der Mieter beurteilen den Mietzins ihrer Wohnung  als sehr günstig, 21 % als eher günstig, 54 % qualifizieren den Mietzins als korrekt, 16 % halten ihren Mietzins für eher teuer und nur 4 % der befragten Mieter sind der Meinung, der Mietzins sei viel zu teuer. Interessant ist sodann, dass 95 % der Mieter noch nie eine Kündigung des Mietvertrags erhalten haben. Diese Resultate bestätigen frühere Umfrageergebnisse aus der Deutschschweiz, wonach die Kündigung des Mietverhältnisses in aller Regel vom Mieter erfolgt und Vermieterkündigungen vergleichsweise gering sind. Auch die überaus grosse Zufriedenheit von Mietern und Eigentümern mit ihrer Wohnsituation bestätigt vergleichbare Umfrageergebnisse aus der Deutschschweiz.

Energetische Verbesserungen nur zum Nulltarif erwünscht

Neu wurden mit der Umfrage im Kanton Waadt auch energetische Aspekte untersucht: Dabei haben sich 72 % der Mieter mit einer geringen Erhöhung des Mietzinses für energetische Sanierungen einverstanden erklärt, sofern die Erhöhung vollständig durch eine Reduktion der Heiz- und Warmwasserkosten der Mieter kompensiert wird. Wenn die Kosten für die energetische Sanierung nur teilweise durch eine Reduktion der Nebenkosten kompensiert werden, so sind 31 % der Mieter bereit, eine geringe Mietzinserhöhung infolge einer energetischen Sanierung zu akzeptieren, 3 % der Mieter sind sich unschlüssig. Ökologische Anliegen werden also offenbar von über zwei Dritteln der Mieter nur unterstützt, wenn sie nichts dafür bezahlen müssen.

Raumplanerische Bedürfnisse

Das politische Schlagwort in den raumplanerischen Diskussionen heisst innere Verdichtung, besonders in den städtischen Gebieten. Gemäss Umfrage möchten lediglich 14 % der Mieter und Eigentümer in einer grossen Stadt wohnen. Fast die Hälfte aller Mieter und Eigentümer (46 %) wünschen sich, auf dem Land oder in einem Dorf zu leben. 40% möchten gerne in einer mittelgrossen Stadt leben. Wenn sie nach ihren Vorstellungen zur Raumplanungspolitik befragt werden, so erklären 36% der Mieter und Eigentümer, dass sie das Schwergewicht auf die Konzentration der Wohnungen in den Städten legen möchten. 54 % erachten es dagegen als erforderlich, zusätzliche Wohnzonen in ländlichen Gebieten zu entwickeln, und 10 % der befragten Mieter und Eigentümer haben keine klare Meinung. Diese Umfrageergebnisse werfen die Frage auf, ob die gegenwärtige Raumplanungspolitik von Bund und Kantonen mit der angestrebten Fixierung der Siedlungsentwicklung auf die bestehenden Baugebiete mittels innerer Verdichtung und dem Fokus auf die Zentren tatsächlich dem Wunsch der Bevölkerungsmehrheit entspricht.

Junge wollen Wohneigentum

Interessant mit Blick auf die parlamentarischen Beratungen zur Wohneigentumsförderung ist sodann, dass 77 % der 18- bis 34-jährigen Mieter Wohneigentümer werden wollen. Bei den 35- bis 49-Jährigen streben dies immer noch beachtliche zwei Drittel der befragten Mieter an. Dies zeigt, dass der Hauseigentümerverband mit seiner Volksinitiative zum Bausparen einem echten Bedürfnis der Jungen zum Durchbruch verhelfen will.

Von: Monika Sommer, lic. iur., eidg. dipl. Immobilientreuhänderin, Stellvertretende Direktorin HEV Schweiz

Studie

Im Auftrag der Waadtländer Immobilienkammer (CVI) sowie der Waadtländer Vereinigung der Immobilienfachleute (USPI Waadt) befragte das Institut M.I.S. Trend Mieter und Eigentümer im Kanton Waadt. Die Umfrage basiert auf einer repräsentativen Auswahl von 1'058 Personen (688 Mietern und 370 Eigentümern) im Alter zwischen 18 bis 74 Jahren. Die vollständigen Umfrageergebnisse sind in franz. Sprache abrufbar auf den Websites www.cvi.ch und www.uspi-vaud.ch

Auszüge aus der Mieterumfrage