• Mehr Raum – mehr Lebensqualität

Mehr Raum – mehr Lebensqualität

28.08.2019 TEXT: Sarah Peter Vogt, intu consulting & coaching

Mein Haus, mein Zuhause – Das Lachen­ Quartier ist eines der am dichtesten besiedelten Quartiere der Stadt St.Gallen. Es versprüht eine fast schon britisch anmutende Vorgarten-­Idylle und ist mit der kleinteiligen, reihen­ artigen Baustruktur in dieser Dichte einzigartig in der Stadt St.Gallen. Walter Roderer, der verstorbene Schweizer Volksschauspieler ist hier aufgewachsen. Das Ehepaar Meili Estermann zog 2012 in das lebendige Quartier und erwarb den Hausteil eines Zweifamilienhauses aus dem Jahre 1947 in der «Sömmerlisiedlung». Diese ehemalige Genossenschaftssiedlung ist die erste in St.Gallen, die nach jahrelangem Darniederliegen des Baugewerbes erstellt wurde. Als Glücksfall stellte sich heraus, dass die vorherigen Hauseigentümer schon viel am Haus erneuert hatten und so konnten die neuen Besitzer einziehen, ohne zu renovieren.

Wachsende Familie – wachsender Raumbedarf Die beiden Mädchen Elena (7) und Valentina (6) kamen zur Welt und bald einmal wurde die Wohnfläche für die vierköpfige Familie zu knapp. Ideen, wie man den Wohnraum erweitern könnte, hatten die Primarlehrerin, welche heute ein 50% Pensum innehat und ihr Mann, ebenfalls Primarlehrer, viele. So richtig konkret und fassbar wurde es jedoch erst, als Irma Estermann (48) und David Meili (50) die Architektin Christine Egli kennenlernten, welche in ihrer unmittelbarer Nachbarschaft wohnt. Die Architektin hätte es hervorragend verstanden, ihre Bedürfnisse in eine für sie sehr passende Architektursprache zu übersetzen, meinte David Meili. Dies war nicht ganz einfach, denn das Objekt steht in einem Gebiet mit «besonderem baulichen Erscheinungsbild». Anfangs hätten sie gedacht, der Anbau müsste möglichst gleich aussehen wie das bestehende Haus. Doch die Architektin hätte ihnen bald aufgezeigt, dass Ortsbildschutz auch etwas anderes bedeuten könne.

Anbau mit zwei Funktionen
Der Anbau wurde in Holz-Elementbauweise errichtet und hebt sich als eigenständiges, modernes Element vom Bestand ab. Durch die Einverleibung der Balkonschicht im Obergeschoss und die Erweiterung mit einem zweigeschossigen Anbau konnte die Wohnfläche um die Hälfte vergrössert werden. Im Erdgeschoss dient der Anbau als Wohnzimmer. Er öffnet sich mittels grossflächigen Schiebefenstern zum Garten, ein weiteres Fenster mit Sitzbank lädt zum Lesen oder Verweilen ein. Im Obergeschoss ergibt sich durch den Anbau ein weiteres Zimmer, welches von den Eltern als Musik- und Hobbyraum genutzt wird. Für David Meili ist denn auch der Raum, wo sich die Eltern zurückziehen und ihren Hobbies widmen können, das Highlight des Hauses. Er spielt in einer Band und übt oft Klavier, Schlagzeug und Gitarre, seine Frau ist eine leidenschaftliche Näherin. Man fühle sich einfach wohl in diesem Raum, es sei wie eine Oase, meint auch Irma Estermann. Durch den Anbau hat es für sie einen weiteren Pluspunkt gegeben: den Gemüsegarten. Den hätte man früher nicht gehabt und im Zuge des Umbaus angelegt. Sie ist gerne draussen mit oder ohne Kinder und liebt es, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des angrenzenden Altersheims ab und zu einen Schwatz zu tätigen.

Umbauzeit mit besonderem Reiz
Der Anbau wurde innerhalb von dreieinhalb Monaten erstellt. Zuerst wohnte die Familie noch im Haus, doch bald erschwerten die Bauarbeiten das Alltagsleben zu schwer und die Familie zog für sieben Wochen in einen Wohnwagen, den sie auf dem angrenzenden Grundstück aufstellen durften. «Der Winter war kalt und wir mussten viel improvisieren, doch die Kinder erinnern sich heute noch an diese ungewöhnliche Zeit, in der man nah zusammenrücken musste», meint Irma Estermann schmunzelnd.