• Weniger Inszenierung bitte!

Weniger Inszenierung bitte!

15.02.2019

Technische Innovationen bringen uns weiter – Sie sind hoffentlich erfolgreich und zufrieden ins neue Jahr gestartet! Wir stehen bereits im zweiten Monat des Jahres und leben nach wie vor in einer turbulenten, sich scheinbar immer schneller drehenden Welt. Dabei scheint Inszenierung wichtiger zu sein als Fakten. Gegensätze und Widersprüche in der politischen Diskussion werden damit immer frappanter.

Da streiken Kanti-Schüler schweizweit für durchaus sinnvolle Zielsetzungen in Klimafragen. Sie teilen die Bilder mediengerecht über ihre Handys, die unterwegs gerne über Powerbanks nachgeladen werden. Kein Gedanke wird verwendet, dass in den Mobilgeräten seltene Erden, chemische Substanzen und teuer gewonnene berührungsempfindliche Oberflächen verbaut sind. Schade nur, wenn die Streikenden gerade den Mathe-, Chemie- oder Physik-Unterricht verpassen, welcher Basis für die technischen Lösungen von Morgen wäre. Transparente sind rascher verfasst als Fakten erarbeitet. Inszenierung erscheint wichtiger als Fakten.

Und auch der Staat wird nicht müde, weitere Inszenierungen zu lancieren. Neue geplante kantonale Energiegesetze sehen vor, dass beispielsweise Elektroboiler und Elektroheizungen flächendeckend verboten werden, obschon diese noch vor wenigen Jahren durch denselben Staat mit Subventionen gefördert wurden. Technisch intakte Geräte sollen also vor Ablauf der Lebensdauer entsorgt werden, obschon viel graue Energie zu deren Herstellung nötig war – es scheint den Regulator nicht zu kümmern.

Während wir erst kürzlich über die Zersiedelungsinitiative abstimmen konnten, bei dem grüne Kreise ein aggressives Moratorium für Neueinzonungen forderten, kämpfen zum Teil die gleichen Kreise gegen den Abbruch alter Stadtvillen oder für Bäume, um eine wirksame Verdichtung in Zentren zu blockieren. Wenn es konkret wird, wirft man die eigenen Prinzipien schnell über Bord.

So wird es aber kaum gelingen, nachhaltigere Lösungen bei Energiefragen oder dem ressourcenschonenden Bauen im Siedlungsgebiet zu entwickeln. An solchen Lösungen sollten aber alle Generationen arbeiten, denn erst technische Innovationen bringen uns auch beim Umweltschutz weiter. Zur Erinnerung noch einige Fakten: 15 Milliarden Franken werden in unserem Land jährlich in den Unterhalt und die Modernisierung von Gebäuden gesteckt. Seit 1990 sind die CO2-Emssionen aus Brennstoffen um über 25% gesunken. Von 2012 bis 2017 sind die Bauzonen in der Schweiz trotz starkem Bevölkerungswachstum dank einer besseren Ausnutzung der Siedlungsfläche nur um 1,5% gewachsen. Seit 2012 ist die durchschnittliche Bauzonenfläche pro Einwohner sogar um 18 m2 gesunken.

Aber wer kümmert sich noch um Fakten, wenn eine Diskussion um komplexe ökonomische oder politische Themen erfolgt? Leider auch immer weniger Politiker. «Aber jeder kann Fragen zu solchen Themen für sich rasch mit «Ja» oder «Nein» beantworten. Oft schrumpft der Diskurs daher auf ein einfaches «für oder gegen etwas» zusammen». Das hat der dänische Wissenschaft- ler Vincent F. Hendricks kürzlich in der NZZ festge- stellt. Wohlverstanden: Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, nicht aber auf eigene Fakten. Sonst ist die Bühne für die reine Inszenierung frei.

Weniger Inszenierung und mehr Fakten sollten in der politischen Diskussion wieder vermehrt Einzug halten. 2019 finden im Herbst eidgenössische Wahlen statt. Dabei haben Sie, liebe HEV-Mitglieder, die Wahl, welche Kräfte im nationalen Parlament mehr Gewicht erhalten sollen. Wir bleiben am Ball!